In unserer Reihe NETZ:RADAR stellen wir euch die aktuell wichtigsten Meldungen der Online-Marketing-Welt in kurzen Häppchen vor.
Wir werfen einen Blick darauf, welche Trends gerade die KI- und Werbewelt bewegen, welche Plattformen für Sichtbarkeit immer wichtiger werden, wie große Marken ihre Budgets einsetzen und wie selbst humorvolle Seitenhiebe zwischen KI-Anbietern zum Thema werden können.
Boah, Bahn: Vielleicht nicht den richtigen Ton getroffen?
Vier Monate nach dem Start zieht die Deutsche Bahn den Stecker: Die viel diskutierte „Boah, Bahn!“-Kampagne mit Anke Engelke wird nicht fortgesetzt. Offiziell heißt es, der Auftritt passe „nicht mehr in die Zeit“. Doch war am Ende doch das Geld ausschlaggebend?
Medienberichte über angebliche Produktionskosten von rund sieben Millionen Euro für sieben Web-Episoden hatten zuletzt scharfe Kritik ausgelöst, unter anderem aus Politik und Gewerkschaften. Die Bahn selbst verweist auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse und betont, das Budget habe sich im Rahmen branchenüblicher Kampagnen bewegt.
Gut eine Woche nach dem tödlichen Angriff auf einen Schaffner wurde die Kampagne beendet. Beobachter vermuten, dass der humorvolle Ton der Serie in der aktuellen Lage unpassend wirkte. Parallel läuft eine generelle Überprüfung der Werbelinie des Konzerns.
Ob Image, Kosten oder Timing ausschlaggebend waren, bleibt offen.
Big Game, Big Ads: Die wichtigsten Werbe-Stats vom Super Bowl 2026
Beim Super Bowl 2026 wurden 66 Werbespots (drei mehr als im Vorjahr) gezeigt, darunter rund 18 Neuzugänge unter den Werbenden. Ein 30-Sekunden-Spot kostete wie im Vorjahr etwa 8 Mio. USD.
Besonders erfolgreich war die Werbung von AI.com, gefolgt von Universal Pictures’ „Minions“-Spot. Insgesamt waren die Ads zu 9 % weniger lustig als 2025, Nostalgie-Inhalte stiegen jedoch um 7 %.
Promis dominierten die Spots: 102 Auftritte in 39 Ads. Social Media spielte erneut eine große Rolle: Der Super Bowl generierte 550 Mio. USD Earned Media Value und 764 Mrd. mögliche Impressionen.
Bad Bunny’s Halbzeitshow erreichte über 167 Mio. Engagements (mehr als doppelt so viel wie Kendrick Lamars Auftritt 2025).
Der Super Bowl 2026 zeigt erneut, wie stark Werbewirksamkeit von Promi-Auftritten und Social-Media-Reichweite abhängt.
Claude bleibt werbefrei: Super-Bowl-Kampagne als Angriff auf OpenAI
Keine Werbung in KI-Chats: das verspricht Anthropic für seinen Chatbot Claude. „There are many good places for advertising. A conversation with Claude is not one of them“, heißt es in einem Blogpost. Pünktlich zum Super Bowl untermauert das Unternehmen diese Haltung mit provokanten Spots und zielt dabei klar auf OpenAI.
Denn OpenAI hatte kürzlich angekündigt, Werbung in ChatGPT zu testen. Laut Berichten sollen Anzeigen zunächst als ergänzende Links ausgespielt und nach Impressions abgerechnet werden. Genau dieses Szenario karikiert Anthropic in seinen Clips: KI-Nutzer erhalten statt hilfreicher Antworten plötzlich unpassende Werbeeinblendungen. Claim: „Ads are coming to AI. But not to Claude.“
OpenAI-CEO Sam Altman reagierte prompt auf X. Die Darstellung sei „überzogen“ und entspreche nicht den tatsächlichen Plänen. Man werde keine Gespräche in sensiblen Kontexten mit Werbung stören.
Der Schlagabtausch zeigt: Im KI-Wettbewerb 2026 geht es nicht nur um Technologie – sondern auch um Geschäftsmodelle und Vertrauen.
KI-Sichtbarkeit: Warum Social Media für deinen Content immer wichtiger wird
Wer 2026 sichtbar bleiben will, muss für KI-Systeme wie ChatGPT und Gemini optimieren. Eine Analyse des Software-Unternehmens Blinq von rund 70.000 LLM-Antworten zeigt nun, welche Quellen besonders häufig zitiert werden.
Über die Hälfte der Referenzen (51,5 Prozent) stammen von Corporate Websites. Owned Content bleibt also zentral. Doch auffällig ist der starke Einfluss von Social Media: Mehr als 35 Prozent der meistzitierten Quellen sind Plattformen wie Reddit (15,3 Prozent), YouTube (14,3 Prozent) und LinkedIn (6,1 Prozent). Auch Review- und Testportale wie Kununu, Idealo oder Test.de spielen eine wichtige Rolle.
Das Fazit: KI-Modelle greifen stark auf authentische Nutzererfahrungen und Dialoge zurück. Unternehmen sollten ihre Inhalte deshalb nicht nur auf der eigenen Website, sondern konsistent über Social Media, Fachpresse und Bewertungs-Plattformen hinweg platzieren, um langfristig sichtbar zu bleiben.
Was sagt ihr zu den Entwicklungen? Welche News haben euch im Februar am meisten beschäftigt?
Wir wünschen erstmal einen guten Karneval-Start,
Sophie ✨

